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Berberteppiche im Ourika-Tal: Arten, Qualität und fairer Kauf

Berberteppiche werden von Frauen in den Dörfern des Atlas gewebt, zu Hause oder in Kooperativen, und in Läden entlang der Ourika-Straße verkauft. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Arten, wie Sie Wolle, Farben und Webarbeit beurteilen und wie Sie mit Respekt handeln, damit beide Seiten zufrieden auseinandergehen.

Handgewebte Berberteppiche, nebeneinander auf dem Boden ausgebreitet
  • Die wichtigsten Arten erklärt: Hanbel, Boucherouite, Azilal, Beni Ourain, Glaoua
  • Einfache Prüfungen für Wolle, Farben und Webqualität
  • Regeln für das Handeln, die die Weberin respektieren
  • Möglichkeiten, Ihren Teppich mitzunehmen oder nach Hause schicken zu lassen

Berberteppiche sind handgewebte Teppiche aus Wolle, Baumwolle oder wiederverwertetem Stoff. Amazigh-Frauen fertigen sie in den Dörfern des Atlas, zu Hause oder in Kooperativen, und verkauft werden sie in Läden entlang der Ourika-Straße und in den Souks von Marrakesch. Fünf Familien sind am häufigsten. Hanbels und Kelims sind Flachgewebe ohne Flor, dünn und leicht zu falten. Boucherouite-Teppiche werden aus Streifen wiederverwerteter Stoffe gewebt. Azilal-Teppiche, benannt nach einer Provinz im zentralen Hohen Atlas, tragen bunte Motive auf cremefarbener Wolle. Beni-Ourain-Teppiche aus dem Mittleren Atlas sind dick, ungefärbt und von dunklen Linien durchzogen. Glaoua-Teppiche verbinden Flachgewebe und Knüpfflor. Die Qualität zeigt sich auf der Rückseite: Kleine, regelmäßige Knoten und scharfe Motive stehen für einen dichteren Teppich. Preise sind selten ausgezeichnet und schwanken stark je nach Größe, Material, Dichte und Alter. Kooperativen haben meist Festpreise, in Läden wird das Handeln erwartet.

Teppiche sind das Kunsthandwerk, das Reisende am häufigsten aus Marokko mit nach Hause nehmen möchten, und zugleich das, bei dem sich Besucher am unsichersten fühlen. Ein wenig Wissen verändert das ganze Erlebnis.

Wer webt die Berberteppiche?

In den Amazigh-Dörfern des Atlas ist das Weben traditionell Frauenarbeit. Teppiche und Decken wurden zunächst für die Familie gefertigt: zum Schlafen, zum Sitzen, als Schutz vor der Kälte der Bergwinter. Muster und Farben tragen die Identität einer Region oder eines Stammes, und viele Weberinnen arbeiten aus dem Gedächtnis, ohne Vorlage. Heute ist das Weben auch ein Einkommen: Verkauft wird über Familiennetzwerke, Läden und Frauenkooperativen. Mehr über das Dorfleben und den Stellenwert der Frauenarbeit im Tal lesen Sie auf unserer Seite über die Menschen von Ourika.

Bunte Berberteppiche hängen in der Sonne an einer Lehmwand
Berberteppiche, in der Sonne aufgehängt

Die Läden an der Ourika-Straße verkaufen Teppiche aus dem Tal und aus anderen Regionen. Daran ist nichts Unredliches, aber es lohnt sich zu fragen, wo ein Teppich gefertigt wurde und von wem.

Welches sind die wichtigsten Arten von Berberteppichen?

Die Namen werden in den Läden recht frei verwendet. Verstehen Sie sie also als Familien, nicht als strenge Bezeichnungen.

Hanbel und Kelim: Flachgewebe

Ein Hanbel ist ein flach gewebter Teppich oder eine Decke ohne Flor, nahe an dem, was viele einen Kelim nennen. Er ist dünn, leicht, in vielen Fällen beidseitig verwendbar und oft mit Streifen und geometrischen Motiven verziert. Flachgewebe lassen sich klein falten und sind deshalb die Teppiche, die sich am leichtesten mit nach Hause nehmen lassen.

Boucherouite: Flickenteppiche

Boucherouite-Teppiche werden aus Streifen wiederverwerteter Stoffe und alter Kleidung gewebt, manchmal mit Wolle gemischt. Sie kamen ab der Mitte des 20. Jahrhunderts auf, als Familien mit wenig Geld begannen, abgetragene Kleidung und Haushaltswäsche wiederzuverwerten. Sie sind leuchtend, fröhlich und improvisiert, und jeder ist ein Einzelstück. Unter den Füßen sind sie weicher, als sie aussehen, aber weniger strapazierfähig als gute Wolle.

Azilal: Farbe auf cremefarbener Wolle

Benannt nach der Provinz Azilal im zentralen Hohen Atlas, sind dies Florteppiche mit einem Grund aus cremefarbener oder weißer Wolle und freien, bunten Motiven, meist mit kürzerem Flor als die Beni-Ourain-Teppiche. Sie wirken oft verspielter und weniger symmetrisch als ältere Stammesmuster.

Beni Ourain: dick und ungefärbt

Beni-Ourain-Teppiche haben ihren Namen von den Beni Ourain (auch Beni Ouarain geschrieben), einem Volk im nördlichen Mittleren Atlas, in den Bergen bei Taza. Es sind dicke Florteppiche aus naturbelassener, cremefarbener Wolle mit dunklen geometrischen Linien, die oft Rauten bilden. Die dicke Wolle passt zu den kalten Bergwintern, und sie macht die Teppiche schwer. Sie werden viel gesammelt und viel kopiert, fragen Sie also ruhig genau nach der Wolle und der Webarbeit.

Glaoua: gemischte Techniken

Diese Teppiche werden unter dem Namen der Glaoua (oder Glaoui) des Hohen Atlas verkauft und meist so beschrieben, dass sie flach gewebte Partien mit Bereichen aus Knüpfflor und manchmal mit Stickerei im selben Stück verbinden. Das Ergebnis ist strukturiert und dicht. Der Name wird in den Läden recht frei verwendet, fragen Sie also, wie das Stück gefertigt wurde.

Dorf am Hang mit Minarett, umgeben von grünen Terrassen
Ein Dorf am Hang im Ourika-Tal, wo das Weben zum Leben im Winter gehört

Wolle oder Baumwolle?

Die meisten traditionellen Florteppiche sind aus Schafwolle, manchmal auf einer Kette aus Baumwolle (den Längsfäden). Gute Wolle ist federnd, durch ihr natürliches Lanolin leicht wachsartig und altert gut: Schmutz bleibt an der Oberfläche, und der Flor richtet sich wieder auf, nachdem man darübergegangen ist. Baumwolle wird für Flachgewebe und für günstigere Florteppiche verwendet. Sie ist leichter und einfacher zu waschen, drückt sich aber schneller platt und bekommt leichter Flecken. Manche modernen Teppiche bestehen aus synthetischem Garn. Sie sind günstiger und leuchtender, und das ist in Ordnung, wenn Sie wissen, was Sie kaufen.

Natürliche oder synthetische Farben?

Die traditionellen Farbstoffe stammen aus Pflanzen: Krappwurzel für Rottöne, Henna für Braun- und Orangetöne, Indigo für Blautöne, Granatapfelschale oder Rinde und Färberwau für Gelb- und Orangetöne. Ein Aufsatz von Khalid Loukid vom Nationalmuseum für Weberei und Teppiche in Marrakesch beschreibt, wie Amazigh-Frauen diese Rezepte von der Mutter an die Tochter weitergeben, und hält fest, dass die Teppiche des Haouz, der Region von Marrakesch, für ihre Krapprottöne bekannt sind. Naturfarben ergeben weichere, leicht ungleichmäßige Töne. Synthetische Farbstoffe, die sich in Marokko seit dem späten 19. Jahrhundert verbreitet haben, sind kräftiger und gleichmäßiger, und Sie sehen sie an vielen der Teppiche, die heute verkauft werden. Beides ist kein Mangel, aber ein Verkäufer, der bei einem sehr leuchtenden Teppich „nur Naturfarben“ verspricht, verdient eine oder zwei freundliche Nachfragen.

Wie prüfen Sie die Qualität eines Berberteppichs?

  • Drehen Sie ihn um. Die Rückseite zeigt die Webarbeit, wie sie ist. Klare, scharfe Motive auf der Rückseite und kleine, regelmäßige Knoten bedeuten meist einen dichteren, besseren Teppich.
  • Legen Sie ihn flach hin. Ein guter Teppich liegt flach auf dem Boden, mit geraden Kanten und ohne Wellen oder sich aufrollende Ecken.
  • Drücken Sie den Flor ein. Wolle sollte sich wieder aufrichten. Flor, der platt bleibt, ist dünn oder synthetisch.
  • Sehen Sie sich Kanten und Fransen an. Sie sollten fest verarbeitet sein, nicht geklebt oder lose.
  • Prüfen Sie, ob die Farbe abfärbt. Reiben Sie mit Erlaubnis des Verkäufers ein feuchtes weißes Papiertuch über eine farbige Stelle. Farbe auf dem Tuch bedeutet, dass der Teppich beim Waschen ausbluten kann.
  • Riechen Sie daran. Bei einem starken chemischen oder muffigen Geruch lohnt sich eine Nachfrage.

Um Ihr Auge vor dem Kauf zu schulen: Im Dar Si Said in Marrakesch ist das Nationalmuseum für Weberei und Teppiche untergebracht.

Preise und Handeln mit Respekt

Wir nennen Ihnen hier keine Preise, denn sie schwanken enorm je nach Größe, Dichte, Material, Alter und dem Laden selbst. Ein kleiner Flickenteppich und ein großer, dichter Florteppich aus Wolle spielen nicht in derselben Liga. Was wir Ihnen mitgeben können, ist eine Art zu verhandeln, die die Arbeit der Weberin und Ihr Budget respektiert.

Legen Sie Ihr Budget fest, bevor Sie hineingehen, und nennen Sie dem Verkäufer die Größe und den Stil, die Sie suchen, damit man Ihnen nicht fünfzig Teppiche zeigt, die Sie nicht brauchen. Nehmen Sie den Tee an, lassen Sie sich Zeit und fragen Sie nach dem Preis der Teppiche, die Ihnen gefallen. Hat eine Kooperative Festpreise, wird nicht gehandelt. In einem Laden wird es erwartet: Machen Sie ein vernünftiges Gegenangebot, bleiben Sie entspannt und freundlich, und treffen Sie sich irgendwo in der Mitte. Machen Sie kein Angebot, das Sie nicht einzuhalten bereit sind, und denken Sie daran, dass ein sehr niedriger Preis für die Frau, die Wochen am Webstuhl verbracht hat, sehr wenig bedeutet.

Unsere Guides kommen gern mit Ihnen hinein, übersetzen und erklären, was Sie vor sich haben, aber die Wahl und der Preis liegen bei Ihnen. Weitere Tipps zum fairen Einkaufen finden Sie auf unserer Seite Kooperativen und Dörfer.

So kommt Ihr Teppich nach Hause

Flachgewebe und Flickenteppiche lassen sich klein falten und kommen in den Koffer. Florteppiche lassen sich rollen oder falten und fest verschnüren. Viele Läden verpacken sie in einem stabilen, verschlossenen Sack, den Sie als Gepäck aufgeben können. Größere Teppiche kann der Laden verschicken. Wenn Sie sich für den Versand entscheiden, verlangen Sie eine schriftliche Quittung mit einer Beschreibung, den Maßen, einem Foto Ihres Teppichs und der Versandart, und bewahren Sie sie auf, bis der Teppich angekommen ist.

Einen Teppichstopp in Ihren Besuch einbauen

Die Teppichläden liegen am selben Straßenabschnitt wie die Töpfereien und die Arganöl-Kooperative, ein Stopp lässt sich also leicht in unseren Tagesausflug ins Ourika-Tal oder in eine private Tour zu Kooperativen und Dörfern einbauen. Sagen Sie uns vorab, wenn Teppiche für Sie Vorrang haben, dann planen wir mehr Zeit dafür ein.

Quellen

Häufige Fragen

Werden die Teppiche, die in Ourika verkauft werden, wirklich im Tal hergestellt?

Einige ja, viele kommen aus anderen Regionen des Atlas und von weiter her. Das ist normal: Die Läden kaufen bei Weberinnen im ganzen Land ein. Wenn Ihnen die Herkunft wichtig ist, fragen Sie, wo und von wem der Teppich gewebt wurde, und kaufen Sie nach Möglichkeit in einer Kooperative.

Woran erkenne ich, ob ein Teppich aus Wolle ist?

Wolle fühlt sich federnd und leicht wachsartig an, und sie richtet sich wieder auf, wenn man sie eindrückt. Synthetische Fasern fühlen sich glatt an und glänzen. Wenn ein Laden es erlaubt, kann der Verkäufer eine lose Faser anbrennen: Wolle riecht nach versengtem Haar, Synthetik schmilzt zu einem harten Kügelchen.

Kann ich einen Teppich im Flugzeug mitnehmen?

Ja. Flachgewebe lassen sich klein falten und passen in einen Koffer. Florteppiche lassen sich eng rollen oder falten, verschnüren und in einem stabilen Sack als Aufgabegepäck transportieren. Prüfen Sie die Gewichts- und Größengrenzen Ihrer Fluggesellschaft, bevor Sie ein großes Stück kaufen.

Muss ich etwas kaufen, wenn ich in einem Teppichladen Tee getrunken habe?

Nein. Der Tee ist Gastfreundschaft, kein Vertrag. Es ist höflich, mit Interesse zu schauen und dem Verkäufer zu danken, aber Sie schulden nichts, wenn nichts Passendes dabei ist. Sagen Sie das klar und freundlich, statt den Verkäufer den ganzen Laden ausrollen zu lassen.

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